Interview mit Karin Ammann- Metroraum Verkehr

Interview mit Karin Ammann

Karin Ammann, Abt. Information & Kommunikation ASTRA

Frau Ammann, wie ist der aktuelle Stand des Projekts und wie lange beträgt die voraussichtliche Bauzeit?
Zurzeit prüft und bereinigt das UVEK die eingegangenen Einsprachen. Wir warten auf die Projektgenehmigung, und hoffen, dass sie Ende 2011/Anfang 2012 vorliegen wird. Die archäologischen Voruntersuchungen sind bereits abgeschlossen. Die Bauarbeiten beginnen frühestens im Jahr 2013. Nach dem heutigen Wissensstand wird die Projektumsetzung inklusive Instandsetzung der ersten und zweiten Röhre des Gubristtunnels mindestens neun Jahre dauern.

Was ist das Ziel des Ausbauprojekts?
Wir reagieren auf das wachsende Mobilitätsbedürfnis der Bevölkerung, möchten ein Nadelöhr entschärfen und eine Lösung für das steigende Verkehrsaufkommen finden. Konkret geht es um eine Entlastung der Umgebung, die Kanalisierung des Verkehrs sowie tiefere Unfallzahlen und weniger Stau. Mit dem umfassenden Ausbauprojekt soll die Verkehrssituation auf der Nordumfahrung Zürich zwischen Zürich Nord und dem Limmattalerkreuz verbessert werden. Geplant sind eine dritte Tunnelröhre durch den Gubrist sowie die Erweiterung der Fahrbahn auf durchgehend sechs Fahrstreifen. Nach der Inbetriebnahme der dritten Tunnelröhre werden die beiden bestehenden Tunnelröhren umfassend instandgesetzt.

Wie sieht es aus mit den parallelen Erhaltungsprojekten?
Es gibt flankierende Massnahmen mit denen die Funktionstüchtigkeit und Sicherheit der bestehenden Autobahnstrecke gewährleistet bleiben, unter anderem die Erhaltung der offenen Strecke im Limmattal inkl. Limmattalerkreuz wie auch die Sanierung des Stelzentunnels und jene diverser Kunstbauten sowie die Sanierung der ersten und zweiten Röhre im Gubristtunnel. Diese Etappen sind terminlich auf das Ausführungsprojekt abgestimmt.

Inwiefern ist die Natur vom Ausbau der A1 Nordumfahrung betroffen? Gibt es negative Auswirkungen?
Wir schaffen ausgleichende Ersatzmassnahmen und berücksichtigen Aspekte wie Renaturierung, Moor- und Lärmschutz. Im Bereich Moorschutz zum Beispiel wurden umfassende moorhydrologisch-hydrogeologische Untersuchungen durchgeführt. Dank den daraus abgeleiteten Konsequenzen sowie laufenden Beobachtungen können während der Bauphase und auch im Betriebszustand negative Auswirkungen mit grosser Sicherheit ausgeschlossen werden.

Es gibt ja eine Verordnung zum Schutz der Katzenseen. Die Nordumfahrung beeinträchtigt das Schutzgebiet sowohl ästhetisch als auch lärm- und schadstoffmässig. Was wird dagegen unternommen?
Wir halten die aktuell geltenden gesetzlichen Normen zum Umweltschutz ein. Im Naturschutzgebiet Katzensee werden Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen vorgenommen, unter anderem zum Flächenersatz, zur Vernetzung und zur Erholung und Gewässeraufwertung. Die Nordumfahrung sieht zudem umfassende Lärmschutzmassnahmen vor, die nach Fertigstellung zu deutlich weniger Lärmemissionen in den Siedlungsgebieten entlang der Nationalstrasse führen werden. Unter anderem ist eine Überdeckung im Raum Katzensee wie auch Lärmschutzwände vorgesehen. Die Schadstoffemissionen können wir nicht unmittelbar beeinflussen (Ausnahme: die Strassenabwasserreinigungsanlagen SABA), aber während der Bauzeit optimieren wir unsere Logistik (wenig Lastwagen- und keine Leerfahrten) und rüsten die Maschinen mit Partikelfilter aus. Zudem ist der extra zu bauende Gleisanschluss immer noch ein Bestandteil des Projekts.

Welche Erfolge konnten bis jetzt erzielt werden?
Auf dem Reissbrett und in den politischen Gremien einige, unter anderem. gehört das Projekt in das erste Paket der Engpassbeseitigung (Stufe Bund). Zudem hat die am 14. September 2011 publizierte Studie „Wirkungskontrolle Westumfahrung und A4 Kronaueramt“ die Notwendigkeit des Ausbaus der Nordumfahrung bestätigt. Jetzt geht es um die Realisierung!

Die Zürcher Westumfahrung ist ein Erfolg. Ist der Druck auf die Nordumfahrung nun grösser als erwartet?
Die Zürcher Westumfahrung und die A4 Knonauer Amt erfüllten die Erwartungen der Verkehrsplaner. Der Durchgangsverkehr ist im Knonauer Amt bis zu 70 % aus den Dörfern verschwunden. Genaue Zahlen zum Verkehrsaufkommen und den Verkehrsflüssen liegen nun vor und bestätigen die Prognosen auch hinsichtlich der Nordumfahrung. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass die Nordumfahrung Zürich zu den am stärksten befahrenen Strassenabschnitten der Schweiz gehört: Mehr als 100'000 Fahrzeuge rollen täglich über die Autobahnstrecke. Seit dem Ausbau des Bareggtunnels und der Eröffnung der Westumfahrung haben die Verkehrsmengen und auch die Stausituationen weiterhin stark zugenommen, so dass die Akzeptanz für den Ausbau der Nordumfahrung in einer breiten Bevölkerung gestiegen ist.

Interview: Julia Weber


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